Nach Einschätzung eines US-Historikers stellt Japans Versäumnis, über Fragen der Vergangenheit aufrichtig zu reflektieren und sich mit seinen Nachbarländern zu versöhnen, eine Bedrohung für die Weltwirtschaft dar.
Das schrieb Geschichtsprofessor Gregg Brazinsky an der George Washington University in einem Beitrag für die US-Zeitung „Washington Post“ am Sonntag (Ortszeit).
Südkorea und Japan hätten in den letzten Jahrzehnten Differenzen darüber gezeigt, wie Japan für seine frühe Kolonialherrschaft büßen sollte. Japans Versäumnis, mit seinen früheren Gräueltaten abzurechnen, könne wirtschaftliche Auswirkungen haben, die weit über Ostasien hinausreichen würden, schrieb Brazinsky.
Als die USA im Jahr 1945 Japan und Südkorea besetzt hätten, habe die Versöhnung zwischen Japan und seinen Opfern kaum Priorität gehabt. Die USA hätten Südkorea und Japan unter Druck gesetzt, um ihren geschichtlichen Streit zügig beizulegen. Südkorea habe mit der Unterstützung der US-Regierung im Jahr 1965 Beziehungen mit Japan normalisiert und ein Abkommen über Ansprüche abgeschlossen. Nach der Einführung einer demokratischen Regierung in Südkorea habe sich das Abkommen als ungenügend herausgestellt, hieß es.
Japan habe mit fehlenden Bemühungen um eine Wiedergutmachung die Kontroverse angeheizt. Premierminister Shinzo Abe habe eine härtere Haltung zu Geschichtsfragen als seine Vorgänger eingenommen und deutlich gemacht, dass seine Regierung keine Entschuldigung mehr aussprechen werde, hieß es weiter.