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Lifestyle

Die koreanische Minderheit in China

#Sie fragen, wir antworten l 2015-01-31

Hörerecke

Q:Ein bemerkenswerter Beitrag in der Reihe „Korea Jetzt“ war die Sendung über die Koreaner, die in Russland leben. Die Strapazen und Schikanen der Sowjets auf der eine Seite und der starke Wille der Koreaner, zu überleben und sich zu integrieren auf der anderen Seite waren sicher zu kommunistischen Zeiten ein hartes Los. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind ja einige koreanische Russen nach Korea übergesiedelt - viele sind auch geblieben. Ich kann mir vorstellen, dass zu tiefsten kommunistischen Zeiten diese Koreaner eher zu Nordkorea gezählt wurden als zu Südkorea. Nachdem KBS uns Hörern die Koreaner in Russland vorgestellt hat: gibt es eigentlich auch eine koreanische Minderheit in China?

A:Natürlich. So wie es auch eine chinesische Minderheit und Chinatowns in Korea gibt. Die koreanische Minderheit in China wird Chaoxianzu (朝鲜族) oder Joseonjok (조선족) genannt und lebt als eine der 56 chinesischen Minderheiten in China zu einem großen Teil in der Autonomen Präfektur Yanbian in der Provinz Jilin. 2009 lebten etwa 2,3 Millionen Koreanischstämmige in China. Bei der in China lebenden koreanischstämmigen Bevölkerung handelt es sich vor allem um Nachkömmlinge von Emigranten, die zwischen 1860 und 1945 aus dem damaligen Königreich Joseon (1392-1910) bzw. danach dem japanisch besetzten Korea (1910-1945) nach China gingen.
In den 1860er Jahren wurde Joseon von schlimmen Hungersnöten geplagt, während sich zugleich durch die gelockerte Einwanderungspolitik der chinesischen Qing-Dynastie für viele betroffene Koreaner die Möglichkeit zur Emigration bot. In der Zeit nach 1910 waren es dann vor allem politische Gründe, die viele Menschen dazu bewegten, Korea in Richtung China zu verlassen. Einige von ihnen schlossen sich der koreanischen Unabhängigkeitsbewegung an - die koreanische Exilregierung war in Shanghai ansässig - andere kollaborierten mit den Japanern, die auch Nordostchina unter ihrer Besatzung hatten und den aus Korea kommenden Einwanderern dort Land anboten. Die Koreaner wurden von den Japanern in China u.a. als Steuereintreiber eingesetzt, ganz bewusst auch in der Absicht, ethnische Konflikte in der nicht-japanischen Bevölkerung zu schüren.

Im Zweiten Weltkrieg kämpften viele Joseonjok an der Seite der Chinesen gegen die japanischen Invasoren. Im chinesischen Bürgerkrieg stellten sich viele von ihnen auch auf die Seite der Kommunisten im Kampf gegen die nationalchinesische Armee.
Nach 1949 gingen rund 40 Prozent der Joseonjok zurück in die 1948 neu gegründete Republik Korea, während sich der übrige Teil entschloss, zu bleiben und die chinesische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Die meisten Joseonjok sehen sich als Chinesen mit koreanischem Migrationshintergrund. So gaben in einer Umfrage aus dem Jahre 2002, als die Fußball-WM Korea Japan stattfand, 86 Prozent der koreanischstämmigen Chinesen an, im Falle eines Länderspiels China-Korea nicht für Korea, sondern für China jubeln zu wollen.

Bis in die 1990er Jahre wuchs die koreanische Minderheit in China stetig an. Mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Südkorea und China im Jahr 1992, dem ab da rasant zunehmendem Handelsaustausch beider Länder, der zunehmenden Öffnung und dem wachsenden Wohlstand in Südkoreas, wo 3D-Jobs in der Bevölkerung immer unbeliebter wurden, setzte dann in China ein Trend zur Arbeitsemigration nach Südkorea ein.

Heute sind etwa 580.000 Joseonjok in Südkorea tätig, vor allem im Niedriglohnsektor, beispielsweise als Putzhilfe oder als Restaurantbedienung. Die zumeist niedrige soziale Stellung der Joseonjok ist auch einer der Gründe, weshalb sie in der koreanischen Gesellschaft oft keinen ganz leichten Stand haben und sich auch mit Vorurteilen konfrontiert sehen, zumal sie mit ihrem Dialekt, dem Dialekt der nordkoreanischen Hamgyeong-Provinz, für Südkoreaner auf den ersten Blick als Joseonjok erkennbar sind.

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