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Kultur

Jo Hyeon: „Wie man gutgelaunt Marsfische fängt“ (Teil 2)

#Literatur zum Hören l 2022-04-05

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Als der Ich-Erzähler, ein Mann names Kim, Mitte vierzig, im Wetterbericht hört, dass ein Regensturm vorhergesagt wird, geht er nachts auf einer Insel an der Südküste angeln, wo er einen anderen Fischer namens Kang trifft. Während sie mitten im Regen auf einem Felsen angeln, unterhalten sich die beiden Männer über ihre Freunde. Kangs Freund, der dort auf der Insel seine Schwester verloren hat, verdächtigt deren Bekannten, der mit ihr fischen gegangen war, für ihren Tod verantwortlich zu sein. Kim dagegen ergreift Partie für den Verdächtigten, der als Einziger überlebt hat, und erzählt seinerseits von einem Freund, der auch einmal nachts ander Meeresküste geangelt und dabei schlechte Erfahrungen gemacht habe. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten zu dem Todesfall ist die Atmosphäre zwischen den beiden Anglern nun etwas angespannt.



„Mein Freund hat sich nach dem Typen erkundigt“, meinte Kang. „Und er beobachtete nun, was der Typ in dem Angelverein tat, dem er beigetreten war, und sah ihm sogar bei der Arbeit zu. Vielleicht hoffte er, dass dem Typen ein ähnlicher Unfall zustoßen würde wie seiner Schwester. Es wäre natürlich perfekt gewesen, wenn er vielleicht an der Küste von einem Felsen ins Meer gefallen wäre, aber ein Sturz von der Bahnsteigkante bei einem gerade anrollenden Zug hätte es vermutlich auch getan. In der heutigen Gesellschaft bringt jeder ein Schritt über die Sicherheitslinie hinaus einen in Gefahr. Mein Freund sagte, dass ihn eine solche Vorstellung unwiderstehlich anziehe.

Haben Sie sich noch nie so gefühlt? Als ob Sie eine juckende Stelle am Körper einfach nicht erreichen können, so sehr Sie es auch versuchen?“, fragte Kang.


Für viele Dinge in unserem Leben werfen wir Angelruten aus. Manchmal fangen wir etwas und manchmal werden wir damit geangelt. Manchmal werden wir wieder freigelassen und manchmal lassen wir etwas wieder frei. Wenn aber das Angeln endet, sollten all die Gefühle, die wir beim Angeln empfuden haben, in den Strom der Zeit entlassen werden. Menschen, die es auf ihrem Gebiet zu Meisterschaft gerbacht haben, sagen, dass sie beim Go-Spiel, bei der Teezeremonie, beim Bergsteigen oder beim Blumenstecken etwas über das Leben lernen. Demnach wäre es sicher auch möglich, beim Fischen etwas über das Leben zu lernen.

Der letzte Angelausflug dank der Meerbrasse, die Kang gefangen hatte, durchaus zufriedenstellend gewesen. Obwohl ich nicht derjenige war, der ihn gefangen hatte, könnte dieser silberne Fisch mir vielleicht als Bote im Traum erscheinen. Er könnte auch in die Herzen anderer Menschen wandern.

Es gibt einen Ort, an dem die Geschichten, die jeder tief in seinen Herzen aufbewahrt, sanft hin und her schwankt, wie Seetang. Einen Ort, an dem alles gesammelt wird, was Menschen jemals gefangen oder verloren haben.




Jo Hyeon (*1969): „Wie man gutgelaunt Marsfische fängt“ (Teil 2)

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