Sie fragen, wir antworten

2012-02-25

FRAGE: Andrea Hubl aus Boos fragte zuletzt aus gegebenem Anlass: Gibt es eigentlich auch Valentinstag in Korea?
ANTWORT: Ja, den gibt es, allerdings in etwas anderer Form als man ihn aus Deutschland kennt. Der Valentinstag hat in Korea nämlich seinen Einzug über Japan gehalten, und dort wurde er wiederum aus den USA importiert. Die Ursprünge des amerikanischen Valentinstags sind dann wiederum größtenteils in England zu suchen. In England hatte sich im 16. und 17. Jahrhundert der Brauch eingebürgert, dass Frauen sich quasi „ihren Valentin“ aussuchen durften, sei es per Los oder durch Zufall. Also der erste Mann, dem eine Frau am Morgen des Valentinstags begegnete, war „ihr Valentin“. Die Dame erwartete dann ein Geschenk von dem so ausgewählten Herren. Der Brauch, Blumen zu schenken, und zwar in Form verschlüsselter Valentinskarten, entstand erst im 19. Jahrhundert und zwar ebenfalls in England, von wo er bald seinen Weg in die USA fand. Auf diesen Karten waren dann rote Rosen zu sehen, Vergissmeinnicht und andere symbolhaltige Gewächse, mit denen man seine Gefühle ausdrücken konnte. Diese Blumengrüße ermöglichten es beiden Geschlechtern in Zeiten, in denen es den Anstand zu wahren galt, die Initiative zu ergreifen und ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, was allerdings oft noch anonym geschah, auch wenn man schon ahnen konnte, aus welcher Ecke es kam. Der Valentinstag war wohl zunächst in England und dann in den USA populär. In der Schweiz, Österreich und Deutschland hat er erst nach dem 2. Weltkrieg Einzug gehalten. Wer wem was schenkt, ob hauptsächlich der Mann beschenkt wird, die Frau oder beide, ist daher je nach Hintergrund etwas unterschiedlich.

Und da liegt denn auch der Unterschied. In Japan und Korea war es vor 20 Jahren für Frauen noch sehr ungewöhnlich und ungebührlich, in Liebesdingen als erste die Initiative zu ergreifen. Der Valentinstag bot dazu natürlich einen willkommenen und offiziellen Anlass, bei dem jeder das Gesicht wahren konnte. Daher schenken hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, in Korea und Japan die Frauen den Männern etwas. Meist ist das Süßes, allen voran dunkle Schokolade oder Schokoladenkuchen in recht eindeutiger Form, sprich Herzen, Rosen usw. Die gibt es auch in allen Formen, Farben und Preisklassen, je nachdem, wie teuer einem der/die Liebste ist. Überall in Bäckereien, Hotels oder sonstigen Geschäften gibt es besondere Valentinstag-Events.

Männern, die dann in puncto Ausdruck der Gefühle ein bisschen Nachhilfe durch eine offizielle Gelegenheit brauchen, bietet sich in Korea der Whiteday an, eine Erfindung der letzten 20 Jahre. Da schenkt nämlich ER dann IHR Süßes wie Weiße Schokolade. Auch hier gilt: Hauptsache süß. In Südkorea gibt es dann zusätzlich zum Valentinstag und zum White Day noch den Black Day: Wer am 14. Februar und am 14. März leer ausging, betrauert dies am 14. April und isst Jajangmyeon, Nudeln in schwarzer Soße. Mittlerweile schwappt der Valentinstag zur Ankurbelung der Schokoladenindustrie übrigens auch nach China über. Junge Leute, die westlich und hipp sein wollen, ahmen den alten Brauch nach, den man übrigens schon bis zu den alten Römern zurückverfolgen kann.
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